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Planung und Durchführung eines Projekts / Projektskizze

Hinweise zur Durchführung eines Schülerprojekts

Hinweise zur Planung und Durchführung eines Projektes

 

1       Das Projekt in der Theorie

 

1.1       Was ist ein Projekt?

Bei einem Projekt stellen sich Projektleiter und Projektteilnehmer „eine gemeinsame Aufgabe, die sie in einer vorgegebenen Zeit bewältigen wollen“.[1] Sie arbeiten auf ein gemeinsames Ziel hin. Am Ende eines Projektes soll ein vorzeigbares „Produkt“ stehen (z.B. selbst gestaltete oder gebaute Objekte, künstlerische Darbietung, Rollenspiel, Film, Homepage, Plakate, Wandzeitungen, Umfrageergebnisse, Power Point-Präsentation etc.).[2]

 

1.2       Was ist wichtig bei einem Projekt?

Wichtigstes Merkmal eines Projektes ist „die Verbindung von theoretischer Erkenntnis und praktischem Tun“.[3] Ein Projekt soll das „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ (Pestalozzi) ermöglichen. Entscheidend ist zudem, dass dem Projekt ein (vor-)wissenschaftlicher Ansatz innewohnt. Fächerübergreifendes Arbeiten und die besondere Verknüpfung von Theorie UND Praxis ist möglich und wünschenswert.

„Lernen mit Kopf“ bedeutet, dass sich die Projektteilnehmer theoretisches Wissen (v.a. im Hinblick auf das Projektziel) selbst erarbeiten. Der Projektleiter stellt geeignetes Material für das eigenständige Arbeiten der Projektteilnehmer bereit (z.B. Fachbücher, Zeitschriften, geeignete und seriöse(!) Internetseiten, Statistiken, Kurzfilme, ggf. auch außerschulische Experten etc.). Dieses Material sollte im Vorfeld durch den Projektleiter ausgewählt und für die Projektteilnehmer aufbereitet werden (z.B. durch konkrete Fragen und Arbeitsaufträge für die Projektteilnehmer). „Lernen mit Herz“ bedeutet, die Projektteilnehmer nach Möglichkeit auch emotional anzusprechen und zu fordern, so dass die Projektteilnehmer z.B. für Probleme sensibilisiert werden. „Lernen mit Hand“ bedeutet, dass die Projektteilnehmer aktiv und selbstständig etwas gestalten.

Um ein Projekt erfolgreich durchführen zu können, bedarf es einer guten Organisation und Planung, die zugleich offen für eventuell im Laufe des Projektes notwendig werdende Änderungen sein sollte.

Am Anfang des wissenschaftlichen Arbeitens stehen die Themasuche und die Problemdefinition. Anschließend erfolgt die Materialsuche und Materialauswahl. Dabei sollten beachtet werden, stets seriöse und zuverlässige Quellen auszuwählen. Beispielsweise gilt die Online-Enzyklopädie Wikipedia oftmals als unseriös, weshalb das Zitieren von Texten dieser Plattform beim wissenschaftlichen Arbeiten weniger zu empfehlen ist. Nach der Materialsuche und Materialauswahl erfolgen die Auswertung des Materials sowie das Erstellen einer Gliederung.

 

2       Das Projekt in der Praxis[4]

 

2.1       Planungsschritte im Vorfeld des Projektes

 

(1)   „Projektinitiative“: Auswahl des Themas

Der Projektleiter verschafft sich einen inhaltlichen Überblick über das ausgewählte Thema des Projektes: Was soll gemacht werden? Welches Ziel hat das Projekt? Welches Produkt soll am Ende des Projektes stehen? Hierbei können die Durchführung eines Brainstormings, bei dem alle Ideen zunächst notiert werden, oder die Erstellung einer Mind Map, die das Oberthema und mögliche Unterthemen bzw. Gliederungspunkte enthält, hilfreich sein. Hier soll anschließend – gemäß des Vorgehens beim wissenschaftlichen Arbeiten – eine Fragestellung, oder These formuliert werden, die das Projektthema genau eingrenzt (Z. B. sollte das Projektthema NICHT lauten: „Sport und Physik“ à zu vage und allgemein. Besser: „Eine physikalische Untersuchung ausgewählter Sportarten unter besonderer Berücksichtigung der Wurfbewegung.“).

Außerdem findet der Projektleiter Material (s.o.) zu den möglichen Themen, das er für die Projektteilnehmer ggf. aufbereitet (z.B. durch Arbeitsaufträge, Denkanstöße) und zur Verfügung stellt.

 

(2)   „Projektskizze“/Projektbeschreibung: Der Projektleiter hält mögliche Vorhaben und Ziele schriftlich fest. Eine kurze Projektbeschreibung wird für alle ersichtlich ausgehangen.

 

(3)   Projektplan:

Planungen durch den Projektleiter (noch vor dem Vortreffen): Der Projektleiter entwirft einen realistischen Zeitplan für die Durchführung des Projektes. Wann, wo und wie sollen Erarbeitungsphasen für das theoretische Wissen erfolgen (Achtung: die Projektteilnehmer sollen selbst aktiv werden!)? Wann, wo und wie können die Projektteilnehmer emotional erreicht werden? Wann, wo und wie wird praktisch an einem „Produkt“ bzw. am Endprodukt für die Projektpräsentation gearbeitet?

Der Projektleiter plant im Vorfeld, was themenbezogen Sinnvolles gemacht werden kann, wenn ein sogenannter Leerlauf entsteht, d.h. die Aufgaben für den Tag erledigt sind. Diese Pufferplanung kann angeleitetes theoretisches aber auch praktisches Arbeiten beinhalten (z.B. passender Film/ Dokumentation, Kreuzworträtsel zum theoretischen Wissen ausfüllen oder am besten sogar selbst erstellen lassen usw.).

 

Die Projektbeschreibung, in der die Vorhaben skizziert und das Projektziel erläutert werden, sowie der realistische Zeitplan (evtl. in tabellarischer Form) müssen noch vor dem Vortreffen dem betreuenden Lehrer abgegeben werden.

 

Gemeinsame Planungen hinsichtlich möglicher Themen, Methoden etc. (beim Vortreffen): Die Projektteilnehmer sollen ihre eigenen Ideen und Wünsche bezüglich des Projektthemas einbringen, so dass diese bei der Projektplanung berücksichtigt werden können.

In einem gemeinsamen Treffen vor (!) der Projektwoche erläutert der Projektleiter den Projektteilnehmern, was das Projekt beinhalten soll und was Ziel des Projektes sein soll. Er erfragt die Ideen und Themenwünsche der Projektteilnehmer, so dass die Zeit noch ausreicht, auf die Wünsche und Erwartungen der Projektteilnehmer einzugehen und den Projektplan entsprechend zu ändern und/oder Material zu besorgen. Außerdem gibt er den Projektteilnehmern einen Informationszettel mit (Uhrzeiten, Treffpunkte, Raumnummer, mitzubringendes Material, Unkostenbeitrag etc.).

 

2.2       Projektdurchführung (während der Projektwoche)

(1)   Der Projektleiter präsentiert zu Projektbeginn den überarbeiteten Zeitplan sowie die inhaltliche Gliederung des Projektthemas (Mind-Map) und schreibt diese für alle ersichtlich an die Tafel oder bringt sie ausgedruckt an die Tür/Tafel an. Außerdem legt er das Material für die einzelnen Arbeitsschritte bereit.

(2)   Jeder Projekttag beginnt und endet mit einer gemeinsamen Begrüßungs- bzw. Abschlussrunde, an welcher der Projektleiter sowie alle Projektteilnehmer teilnehmen. In der Abschlussrunde werden eine kurze Reflexion durchgeführt und der folgende Tag vorbereitet: Was war heute gut, was weniger gut? Was müsste für morgen beibehalten oder verändert werden? Wie weit sind wir heute gekommen? Was fehlt noch? Muss der Zeitplan kurzfristig geändert werden? Wer übernimmt am nächsten Tag welche Aufgaben?

(3)   Im Zentrum der Projektarbeit sollen nun das Forschen und Recherchieren stehen. Wissenschaftliches Arbeiten kann auf Basis von Literaturauswertung, empirischer Analyse/Untersuchung oder einer Kombination aus Beidem erfolgen. Bei der Literaturauswertung sollte man auf eine ausgewogene Auswahl der Quellen achten (s.o.). Bei empirischen Untersuchungen ist stets zu fragen, ob das Ergebnis repräsentativ ist.[5] Diese Art der (vor-) wissenschaftlichen Projektarbeit kann verschiedene Methoden beinhalten: Vorträge und Präsentationen, Gruppengespräche, Einzelarbeit, Partnerarbeit oder Gruppenarbeit. Verschiedene Aufgaben werden innerhalb der Projektgruppe oder innerhalb von Kleingruppen verteilt. Gruppen werden je nach Interesse der Projektteilnehmer gebildet (max. 4 Projektteilnehmer pro Gruppe!), die für ihre Arbeit im Projekt ein Ziel festlegen und entsprechend des Ziels und des Zeitplans an ihrem gewählten (Unter-)Thema arbeiten. Für Leerlaufphasen Puffermaterial bereithalten!

(4)   Der Projektleiter hat immer einen Überblick darüber, wer gerade wo und woran arbeitet. Er motiviert die Projektteilnehmer zur Arbeit und gibt evtl. auch Hilfestellungen und Denkanstöße. Oftmals kommen während der Durchführung eines Projektes Fragen oder Probleme auf, die geklärt werden müssen. Hier ist der Projektleiter Ansprechpartner für die jeweiligen Kleingruppen. Betreffen die Fragen und Probleme alle Projektteilnehmer der Projektgruppe, muss in den Zeitplan flexibel eine Phase eingeschoben werden, die der Klärung der Probleme dient, so dass danach sinnvoll weitergearbeitet werden kann.

 

2.3                   Projektabschluss: Präsentation und Auswertung/Reflexion des Projektes

(1)   Am letzten Tag der Projektwoche (noch vor der Projektpräsentation) sollte eine Reflexion, d.h. eine Rückmeldung der Gruppe zur Projektwoche erfolgen. Es gibt zwei gängige Reflexionsmethoden: erstens eine offene Gesprächsrunde; zweitens Fragebögen, die anonym ausgefüllt werden. Die Gruppe sollte darum gebeten werden, möglichst konkret bei der Rückmeldung zu werden. Mit Aussagen wie „nichts“ oder „alles“ könnt ihr für die Zukunft und eure schriftliche Reflexion nichts anfangen! Mögliche Fragen: Was hat dir an unserem Projekt gut/weniger gut gefallen? Wie war die Organisation? Was müsste bei einer erneuten Durchführung des Projektes beibehalten/geändert werden?

(2)   Die Rückmeldung der Gruppe wird nun schriftlich zusammengefasst. Außerdem reflektiert der Projektleiter das Projekt aus seiner Sicht. Der Projektleiter selbst sollte mögliche Gründe für die positive und negative Rückmeldung nennen. Er sollte konkrete Verbesserungsvorschläge für eine erneute Planung und Durchführung des Projektes formulieren: Was würde ich aus welchen Gründen beim nächsten Mal anders machen/planen und mit welchem Ziel?

 

Nach der Projektwoche müssen die Projektleiter innerhalb von zwei Wochen die schriftliche Reflexion dem betreuenden Lehrer abgeben.

 

Zur Notenfindung ist nicht wichtig, dass in der Projektwoche alles glatt gelaufen ist. Wichtiger ist es, dass die Projektleiter die Schwierigkeiten und Probleme

à noch während der Projektwoche erkennen und entsprechend reagieren.

à im Nachhinein erkennen, in der schriftlichen Reflexion konkret benennen können und entsprechend Verbesserungsvorschläge erarbeiten.

(ausgearbeitet von Frau Land und Frau Roth, 28.06.2010)

(überarbeitet von Herr Scherer, 21.10.2016)



[1] vgl. Wolfgang Mattes: Methoden für den Unterricht. 75 kompakte Übersichten für Lehrende und Lernende, Paderborn: Schöningh Verlag 2002, S. 70.

[2] ders. S.70-71

[3] ders. S.70

[4] Die hier dargestellten fünf Phasen eines Projektes sind an Freys Darstellung der sieben Projektkomponenten angelehnt. Frey unterscheidet folgende Komponenten: Projektinitiative, Projektskizze, Entwicklung eines Projektplans, Projektdurchführung, Beendigung des Projektes, Fixpunkt und Metainteraktion.

vgl. Karl Frey: Die Projektmethode, 9. Aufl, Weinheim und Basel: Beltz Verlag 2002, S. 62-142.

 

[5] Vgl. Preißer, Karl-Heinz: Praxis des wissenschaftlichen Arbeitens. Regensburg. 1993.

Videofilm zur Oberstufen-Projektwoche 2014